Pädagogik
Hausaufgaben bringen nichts
2008-02-01
STUDIE DER UNIVERSITÄT DRESDEN
Hausaufgaben bringen nichts
Wenn es nach Wissenschaftlern der Universität Dresden geht, sollten Lehrer nie wieder Schularbeiten aufgeben. Eine Studie ergab: Ob Schüler Hausaufgaben machen oder nicht, ist eigentlich egal - zu besseren Noten führen sie jedenfalls nicht.
Hausaufgaben sind blöd, Schüler wussten das schon immer. Nach dem Unterricht noch zwei oder drei Stunden Vokabeln pauken und Matheaufgaben lösen - für viele ist das Zeitverschwendung.
Tatsächlich bringen Hausaufgaben den Schülern nicht besonders viel, hat eine Studie der Technischen Universität Dresden ergeben. Mehr noch: Sie haben angeblich keinen Effekt auf die Schulleistungen.
"Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser", sagt Hans Gängler von der Fakultät Erziehungswissenschaften der TU Dresden, "und schlechte Schüler begreifen durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben." Der Effekt auf die Zeugnisnote werde durch die Schularbeiten nicht beeinflusst - egal ob ein Kind die Mathe-Aufgaben direkt nach der Schule, nachts unter der Bettdecke oder überhaupt nicht mache.
Die Forscher der TU Dresden stützen sich auf eine Studie zu Ganztagsangeboten in Sachsen. 70 Prozent aller sächsischen Ganztagsschüler nehmen mehrmals in der Woche an Hausaufgabenbetreuungen teil. Rund 1300 Schüler und 500 Lehrer wurden befragt. Die Umfrage ergab, dass etwa ein Drittel der Lehrer zugab, nicht einschätzen zu können, ob Hausaufgaben den Schülern überhaupt irgendwas bringen. Bei etwa drei Viertel aller Schüler beobachteten die Lehrer keinen Erfolg. Da ist es nach Ansicht der Wissenschaftler schon fast "empörend" dass Lehrer überhaupt Hausaufgaben aufgeben - in der Annahme, sie würden einen positiven Effekt auf die Schüler haben.
Hausaufgaben sind nur ein "pädagogisches Ritual"
70 Prozent der Schüler gaben zwar an, durch eine Hausaufgabenbetreuung weniger Fehler zu machen und die Aufgaben insgesamt schneller erledigen zu können. Doch nur ein Drittel der Schüler glaubt, dass ihre Noten sich dadurch verbessern. "Wir brauchen deshalb eine andere Kultur der Wissensvermittlung", sagt Andreas Wiere, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät Erziehungswissenschaft der TU Dresden.
Die Erziehungswissenschaftler der TU testen zurzeit an zehn sächsischen Ganztagsschulen unterschiedliche Nachmittagsangebote. In zwei Schulen verzichten die Lehrer ganz auf Hausaufgaben in Deutsch, Englisch und Mathe und richten stattdessen Trainingsstunden ein, die sich an dem Leistungsniveau der Schüler orientieren. "Die Schüler erledigen hier keine Aufgaben - sondern sie arbeiten an ihren Defiziten und bekommen zusätzliche Lernmotivation," sagt Andreas Wiere. Für die Forscher aus Dresden ein Modell mit Zukunft.
Nicht die Hausaufgaben seien für den Erfolg der Schüler entscheidend, sondern die pädagogische Betreuung. Lehrer sollten ihren Schülern im Unterricht lieber Lernstrategien vermitteln und Inhalte durch Übungs- und Förderangebote vertiefen, so Wiere. Dann könnten die Schulen die Hausaufgaben endlich abschaffen - eine Last, die nach Ansicht der Forscher der TU Dresden nicht mehr ist als ein "pädagogisches Ritual".
Quelle: mer/dpa
Hausaufgaben bringen nichts
Wenn es nach Wissenschaftlern der Universität Dresden geht, sollten Lehrer nie wieder Schularbeiten aufgeben. Eine Studie ergab: Ob Schüler Hausaufgaben machen oder nicht, ist eigentlich egal - zu besseren Noten führen sie jedenfalls nicht.
Hausaufgaben sind blöd, Schüler wussten das schon immer. Nach dem Unterricht noch zwei oder drei Stunden Vokabeln pauken und Matheaufgaben lösen - für viele ist das Zeitverschwendung.
Tatsächlich bringen Hausaufgaben den Schülern nicht besonders viel, hat eine Studie der Technischen Universität Dresden ergeben. Mehr noch: Sie haben angeblich keinen Effekt auf die Schulleistungen.
"Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser", sagt Hans Gängler von der Fakultät Erziehungswissenschaften der TU Dresden, "und schlechte Schüler begreifen durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben." Der Effekt auf die Zeugnisnote werde durch die Schularbeiten nicht beeinflusst - egal ob ein Kind die Mathe-Aufgaben direkt nach der Schule, nachts unter der Bettdecke oder überhaupt nicht mache.
Die Forscher der TU Dresden stützen sich auf eine Studie zu Ganztagsangeboten in Sachsen. 70 Prozent aller sächsischen Ganztagsschüler nehmen mehrmals in der Woche an Hausaufgabenbetreuungen teil. Rund 1300 Schüler und 500 Lehrer wurden befragt. Die Umfrage ergab, dass etwa ein Drittel der Lehrer zugab, nicht einschätzen zu können, ob Hausaufgaben den Schülern überhaupt irgendwas bringen. Bei etwa drei Viertel aller Schüler beobachteten die Lehrer keinen Erfolg. Da ist es nach Ansicht der Wissenschaftler schon fast "empörend" dass Lehrer überhaupt Hausaufgaben aufgeben - in der Annahme, sie würden einen positiven Effekt auf die Schüler haben.
Hausaufgaben sind nur ein "pädagogisches Ritual"
70 Prozent der Schüler gaben zwar an, durch eine Hausaufgabenbetreuung weniger Fehler zu machen und die Aufgaben insgesamt schneller erledigen zu können. Doch nur ein Drittel der Schüler glaubt, dass ihre Noten sich dadurch verbessern. "Wir brauchen deshalb eine andere Kultur der Wissensvermittlung", sagt Andreas Wiere, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät Erziehungswissenschaft der TU Dresden.
Die Erziehungswissenschaftler der TU testen zurzeit an zehn sächsischen Ganztagsschulen unterschiedliche Nachmittagsangebote. In zwei Schulen verzichten die Lehrer ganz auf Hausaufgaben in Deutsch, Englisch und Mathe und richten stattdessen Trainingsstunden ein, die sich an dem Leistungsniveau der Schüler orientieren. "Die Schüler erledigen hier keine Aufgaben - sondern sie arbeiten an ihren Defiziten und bekommen zusätzliche Lernmotivation," sagt Andreas Wiere. Für die Forscher aus Dresden ein Modell mit Zukunft.
Nicht die Hausaufgaben seien für den Erfolg der Schüler entscheidend, sondern die pädagogische Betreuung. Lehrer sollten ihren Schülern im Unterricht lieber Lernstrategien vermitteln und Inhalte durch Übungs- und Förderangebote vertiefen, so Wiere. Dann könnten die Schulen die Hausaufgaben endlich abschaffen - eine Last, die nach Ansicht der Forscher der TU Dresden nicht mehr ist als ein "pädagogisches Ritual".
Quelle: mer/dpa
EU kritisiert frühe Auslese an Schulen
2006-11-15
Ratspapier verabschiedet - Deutschland wehrt
sich gegen Pläne
Brüssel/DPA - Deutschland gerät in Europa wegen der frühen Auslese in seinem dreigliedrigen Schulsystem unter Druck.
Die Bildungsminister der 25 EU-Staaten verabschiedeten am Dienstag in Brüssel ein Ratspapier, das auf negative Auswirkungen solcher Auswahlverfahren hinweist. Nur mit Mühe hatten Deutschland und Österreich im Ministerrat noch schärfere Kritik verhindert, wie Sitzungsteilnehmer berichteten.
Die Schlussfolgerungen des Rates heben wissenschaftliche Untersuchungen hervor, wonach eine Verteilung der Schüler in zu jungem Alter auf verschiedene Schulformen vor allem die Ergebnisse benachteiligter Kinder verschlechtern kann. "Niemand sagt, es ist positiv", sagte Bildungskommissar Jan Figel. Er verwies auf zwölf anerkannte Forscher sowie die internationalen Organisationen OECD und Unesco.
Nach deren Studien hätten frühe Auswahlverfahren entweder negative oder bestenfalls neutrale Folgen für Effizienz und Gerechtigkeit in der Bildung.
Deutschland und Österreich machten im Rat geltend, dass Bildungsfragen eine nationale Zuständigkeit seien. Sie sind nach einer Aufstellung der EU-Kommission zusammen mit Luxemburg und den Niederlanden die einzigen EU-Länder, die Schüler frühzeitig auf verschiedene Schulformen verteilt.
aus: Nordwest-Zeitung, 15.11.2006
Brüssel/DPA - Deutschland gerät in Europa wegen der frühen Auslese in seinem dreigliedrigen Schulsystem unter Druck.
Die Bildungsminister der 25 EU-Staaten verabschiedeten am Dienstag in Brüssel ein Ratspapier, das auf negative Auswirkungen solcher Auswahlverfahren hinweist. Nur mit Mühe hatten Deutschland und Österreich im Ministerrat noch schärfere Kritik verhindert, wie Sitzungsteilnehmer berichteten.
Die Schlussfolgerungen des Rates heben wissenschaftliche Untersuchungen hervor, wonach eine Verteilung der Schüler in zu jungem Alter auf verschiedene Schulformen vor allem die Ergebnisse benachteiligter Kinder verschlechtern kann. "Niemand sagt, es ist positiv", sagte Bildungskommissar Jan Figel. Er verwies auf zwölf anerkannte Forscher sowie die internationalen Organisationen OECD und Unesco.
Nach deren Studien hätten frühe Auswahlverfahren entweder negative oder bestenfalls neutrale Folgen für Effizienz und Gerechtigkeit in der Bildung.
Deutschland und Österreich machten im Rat geltend, dass Bildungsfragen eine nationale Zuständigkeit seien. Sie sind nach einer Aufstellung der EU-Kommission zusammen mit Luxemburg und den Niederlanden die einzigen EU-Länder, die Schüler frühzeitig auf verschiedene Schulformen verteilt.
aus: Nordwest-Zeitung, 15.11.2006
Kleine Klassen, große Wirkung
2005-05-14
"Kinder, die während der Grundschulzeit in kleinen
Klassen unterrichtet werden, erreichen später bessere
Schulabschlüsse. Dies ergab eine großangelegte
Untersuchung von Wissenschaftlern der University at
Buffalo im Bundesstaat New York.
Die Forscher verfolgten in ihrer Studie den Werdegang von fast 5000 Schülern von der Vorschule bis zum Ende der High School. Nach dem Zufallsprinzip waren die Schüler am Anfang der Vorschule entweder einer kleinen Klasse (13 bis 17 Schüler) oder einer normal großen Klasse (22 bis 26 Schüler) zugeteilt worden.
Das überraschende Ergebnis nach 13 Beobachtungsjahren: Von den Kindern, die im Grundschulalter vier Jahre lang in einer kleinen Klasse gelernt hatten, erreichten 15 Prozent mehr einen High-School-Abschluss. Bei Schülern aus ärmeren Familien war der Effekt sogar besonders groß: Bei ihnen stieg die Schulabschlussrate um 25 Prozent."
aus: Der Spiegel, Nr. 20, 2005, S. 146
Die Forscher verfolgten in ihrer Studie den Werdegang von fast 5000 Schülern von der Vorschule bis zum Ende der High School. Nach dem Zufallsprinzip waren die Schüler am Anfang der Vorschule entweder einer kleinen Klasse (13 bis 17 Schüler) oder einer normal großen Klasse (22 bis 26 Schüler) zugeteilt worden.
Das überraschende Ergebnis nach 13 Beobachtungsjahren: Von den Kindern, die im Grundschulalter vier Jahre lang in einer kleinen Klasse gelernt hatten, erreichten 15 Prozent mehr einen High-School-Abschluss. Bei Schülern aus ärmeren Familien war der Effekt sogar besonders groß: Bei ihnen stieg die Schulabschlussrate um 25 Prozent."
aus: Der Spiegel, Nr. 20, 2005, S. 146